Gedanken zum baldigen Kita-Start

Dienstag, August 01, 2017


Da hängt er nun in unserer Diele und wartet auf seinen Einsatz, ein kleiner Rucksack der so viel Veränderung bedeutet. Am 05.09. beginnt die Eingewöhnung in der Kinderkrippe und zu diesem Zeitpunkt ist S. noch nicht mal ein Jahr alt. Bis vor kurzem war der Kita-Start weit, weit weg, doch seit dem Elternabend vor drei Wochen, ist es so greifbar, dass unsere Tochter bald den halben Tag in der Kindertagesstätte verbringen wird. Seitdem mache ich mir viele Gedanken über dieses Thema, welche ich hier niederschreiben möchte.

Schon während der Schwangerschaft traf unser Plan, dass ich nach 13 Monaten wieder halbtags arbeiten gehe, nicht unbedingt bei jedem auf Verständnis. "Dein Kind braucht dich die ersten drei Jahre!", "Sie ist doch dann noch so klein, willst du sie wirklich in fremde Hände geben?". Bei dieser Entscheidung spielt nicht nur das Herz eine Rolle, sondern auch der Verstand, bzw. die Lebensumstände - meist finanzielle - die einen als Mutter dazu zwingen, recht bald wieder arbeiten zu gehen. Also bleibt uns quasi nichts anderes übrig. Und obwohl ich keine andere Wahl habe, bin ich damit sehr glücklich. Ich traue es mich ja fast nicht sagen, aber ich freue mich tatsächlich auf die Arbeit. Mal wieder nur ich sein und mit Leuten reden, die sich nicht nur für mich als Mutter interessieren. Auch gegenüber meinem Mann werde ich wieder anderen Gesprächsstoff haben und darauf freue ich mich. Ich habe immer gerne gearbeitet, ich bin auch gerne Mutter und deswegen bin ich mit mir im reinen, dass S. im September in die Kita kommt. Ich kann es mir nicht vorstellen zwei oder gar drei Jahre zu Hause zu bleiben - und nein, ich rede mir das Ganze nicht schön, sondern ich empfinde das tatsächlich so. Oft fällt mir zu Hause, auch wenn man mit einem quirligen Baby, einem Hund und einem Haus, wirklich alle Hände voll zu tun hat, die Decke auf den Kopf, weshalb ich versuche möglichst viel mit S. raus zu gehen. Aber in den Krabbelgruppen und bei Freunden und Verwandten, wird ja auch wieder nur über den Mama-Alltag gesprochen. Ich liebe meine Tochter über alles und es macht Spaß mit ihr zu spielen und ihr zu zusehen, wie sie von Tag zu Tag neue Dinge entdeckt und kann, aber mir persönlich reicht das nicht.

Lustigerweise zwingen mir viele Leute das schlechte Gewissen förmlich auf. Aber warum? Warum soll es mir dabei schlecht gehen? Meine Tochter wird mit fünf weiteren Kindern in einer Gruppe mit zwei jungen Erzieherinnen von 7-14 Uhr betreut. Wenn das mit ihrem Mittagsschlaf so bleibt, fallen zwei Stunden schon einmal für das Schlafen weg. Das sind dann 5 Stunden in denen sie mit anderen Kindern spielen, singen und Spaß haben kann. Drei Kinder aus der Gruppe kennt sie sogar schon aus der dorfeigenen Krabbelgruppe. Am Nachmittag bin ich dann voll und ganz für sie da und weil die anderen fünf Kinder alle mindestens ein halbes Jahr älter sind als sie, wird sie viel und schnell lernen und sich ganz bestimmt toll weiterentwickeln. Weiterhin glaube ich, dass eine Eingewöhnung in ihrem Alter sehr viel einfacher ist, als wenn die Kinder mit zwei oder drei Jahren in den Kindergarten kommen. Dies bestätigten mir auch einige Erzieher. Da wir unsere Essens- und Schlafzeiten bereits vor einiger Zeit an die der Krippe angepasst haben, wird sie sich diesbezüglich auch nicht umgewöhnen müssen. So wirklich will sich mir nicht erschließen, warum es negativ sein soll. Ich glaube auch nicht, dass der Vormittag in der Kita unserer Bindung schaden wird, solange sie sich dort wohl und sicher fühlt und weiß, dass die Mama immer wieder kommt. Es soll ja tatsächlich Kinder geben, die gerne in der Kita sind und die Eltern Mühe haben das Kind abzuholen. Aber wird das bei S. auch so sein? Wird sie die Eingewöhnung ohne viele Tränen meistern und danach gerne in ihre Gruppe gehen? Wird der erste gute Eindruck der beiden Erzieherinnen gefestigt, so dass ich ihnen ohne ein schlechtes Gefühl mein Kind anvertrauen kann? Hält die Einrichtung in Sachen Abwechslung was sie verspricht oder wird es ihr dort langweilig werden? Das wüsste ich wirklich gern, denn dann könnte ich mich so richtig auf diese Veränderung freuen.

Ihr seht also, mir geht es damit sehr gut und dennoch...... schwingt ein wenig Wehmut mit. Nicht, weil im September die Fremdbetreuung startet und ich nicht hinter dieser Entscheidung stehe, sondern weil dies ein völlig neuer Abschnitt in unserem Leben sein wird und damit die Elternzeit endet. Mein Baby ist dann kein Baby mehr, sondern ein Kleinkind und niemals mehr wird dieses erste Babyjahr zurückkommen. Ich freue mich auf alles was kommt, denke aber auch gerne an mein klitzekleines Mäuschen zurück, welches gefühlt erst gestern auf die Welt kam und mir so warm und wohlriechend auf die Brust gelegt wurde. Bald wird sie mir davonlaufen und die Welt entdecken und ja, ich werde sicher bei einigen Entwicklungsschritten und Meilensteinen nicht dabei sein, aber das ist okay für mich. Dafür lernt sie ein Stück weit selbstständig zu sein und entwickelt sich hoffentlich zu einem selbstbewussten kleinen Mädchen.

Warum müssen wir Mütter uns so oft für unsere Entscheidungen rechtfertigen? Warum meinen andere Menschen sich einmischen zu müssen? Warum immer dieser vorwurfsvolle Unterton? Sagt mir mal, wie das bei euch war. Wann sind eure Kinder in die Kinderkrippe gekommen und warum habt ihr euch dafür entschieden? An die Mamas deren Kinder auch mit einem Jahr in die Kita kamen: Hattet ihr ein schlechtes Gewissen? Und erzählt mal, wie die Eingewöhnung war und wie die Kita euren Kindern letztendlich bekommen ist.

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9 Kommentare

  1. Also ich denke das ist vollkommen ok wie du dich entschieden hast. Meiner war ein kleines bisschen älter ca 16 Monate. Die Gruppe ist mit 6 Kindern und Grau Erziehern eng super und auch wenn die an Anfang weint hat das nichts zu bedeuten. Die Eingewöhnung ist meinen nicht ganz so leicht gefallen, aber er hat immer nur kurz geweint und ist später zu einem Kind geworden, das den Kindergarten total geliebt hat. Für die Kinder ist es immer super mit anderen zu spielen, dass man kein Erwachsener bieten. Ich würde es immer wieder so machen, wie du es sich tust.

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  2. Ich finde, du darfst dich mit gutem Gewissen wieder auf die Arbeit freuen! Zwar bin ich selbst keine Mutter, dafür aber Erzieherin und habe schon so oft gehört, was es für schlechte Menschen seien, die ihre Kinder schon unter 3 in die Kita geben. Das ist einfach falsch, an der Bindung zwischen Mutter und Kind ändert sich daran ja absolut nichts :) Und wie du schon sagtest, für das Erlernen und für die Selbstständigkeit ist es gut so :)

    LG

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  3. Ich habe keine Kinder, aber ich finde es immer lustig, wie die Leute oft auf "3 Jahre zu Hause" versteift sind. Das hat doch keinerlei plausible Gründe, außer dass es früher halt so war, dass man erst mit 3 in den Kindergarten kam. Ich finde es gut, wenn die Kinder heute früher Kontakt mit Gleichaltrigen haben. Das hatte ich als Kind nicht (auch keine Geschwister) und konnte dann dementsprechend wenig mit den anderen Kinder im Kindergarten anfangen...

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  4. Also ganz ehrlich mir ging es genauso wie dir mit viel die decke Zuhause auf den Kopf auch wenn man unterwegs ist man ist ständig quasi nur mit seinem Kind zusammen.Ich habe angefangen stundenweise zu arbeiten am Wochenende als mein Sohn 4Monate alt war das tat so so gut endlich mal was anderes Sehen/hören eine andere aufgäbe einfach mal ich sein und nicht nur Mutter. mein Sohn ist mit 9Monaten in die Krippe gekommen weil gerade ein platz frei wurde und ehrlich gesagt würde ich es jeder zeit wieder so machen man kann seinem Kind meiner Meinung nach nichts besseres antun sie sind unter gleich/ähnlich alten Kindern und auch unter älteren sie gucken sie soviel voneinander ab was Motorik angeht und insgesamt kinder lernen von Kindern und man sagt ja auch kinder zu kinder die verstehen sie zu 99% immer. es ist der Wahnsinn was mein Sohn für einen entwicklungs schub gemacht hat mit der Krippe.es ist teils erschreckend was die alles alleine machen wollen plötzlich jetzt mit 2 will er unbedingt sein Brot selber schmieren ok klappt noch nicht so richtig aber der Wille ist halt da! Faszinierend! Die Eingewöhnung war bei uns ganz easy ich war fast von Anfang an komplett abgeschrieben kurz die lage gecheckt und schon war ich egal hätte auch direkt weggehen können das wäre ihm auch egal gewesen bei uns gibt es aber die sanfte Eingewöhnung über mehrere Wochen. sobald wir in der Krippe sind jetzt flitzt er los zum spielen klar gibt es auch andere Tage wo die Trennung schwerer fällt aber jeder hat mal einen schlechten Tag. Wie gesagt das Thema Krippe würde ich jeder zeit wieder so machen!

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  5. Ich bin Erzieherin in einer Krippe und kann deine Gedanken gut nachvollziehen. Aber lass dich da echt nicht negativ beeinflussen. Und wenn die Kleine weint, wenn du ihr Tschüss sagst wird es dir das Herz zerreißen. Aber wir sagen den Eltern immer dass es ein gutes Zeichen ist, weil das zeigt dass sie eine gute Bindung zu den Eltern haben. Und ja, die Kleinen lernen soviel von einander! Ich habe schon einige wunderschöne Momente miterleben dürfen :)
    Ein Tipp: Gib ein Trösterbuch mit in die Krippe. Das kann häufig helfen wenn mal Heimweh aufkommt ;)
    Ich wünsche die auf jeden Fall viel Kraft, denn die wirst du brauchen ;)

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  6. Hey, ich finde es gut wenn Kinder in die KiTa gehen. Immerhin lernen sie den Umgang mit anderen Kindern und das ist sehr wichtig.
    Liebe Grüße!

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  7. Hi,

    ich finde gar nichts dabei, das Kind in die Kita (in Ö ist das dann die Krippe oder die Tagesmutter, je nach dem) zu geben. Im Gegenteil glaube ich, dass den Kindern das Spielen mit anderen Kindern zu Gute kommt. Trotzdem habe ich auch "warum gibst du dein Kind in fremde Hände"-Kommentare bekommen. Ich denke, dass viele Kommentare auch deshalb ungefiltert gemacht werden, weil manche Mütter sich in "klassische" Familienbilder zwängen lassen und dann so ihre Entscheidung rechtfertigen wollen. Das einzige, was dagegen hilft, ist wohl der Dialog.

    Eine Kritik habe ich an deinem Text, die mir sehr am Herzen liegt. Du schreibst: "Bei dieser Entscheidung spielt nicht nur das Herz eine Rolle, sondern auch der Verstand, bzw. die Lebensumstände - meist finanzielle - die einen als Mutter dazu zwingen, recht bald wieder arbeiten zu gehen". Ich bin sehr sensibel dafür, dass man davon ausgeht, dass nur Mütter vor dieser Entscheidung stehen würden. Heutzutage ist es ja nicht mehr so (bzw kämpfen viele Frauen und Männer dafür), dass nur die Mutter bei dem Kind zuhause bleibt. Es ist daher wohl auch "für einen als Vater" dieselbe Entscheidung. Dass der Vater in der Öffentlichkeit nie so viel Kritik bekommt oder in ihm solche Zweifel ausgelöst werden, ist eine ganz andere Geschichte. Aber prinzipiell ist diese Entscheidung geschlechterunabhängig und von beiden Eltern zu treffen, denn beide Entscheiden sich für die "fremde" Betreuung des Kindes.
    Und ganz unabhängig davon ist es ja nicht unbedingt so, dass der betreuende Elternteil arbeiten gehen MUSS, sondern viele wollen das ja auch (egal in welchem Stundenausmaß). Es gibt nichts besseres, als Freude zu haben an der Arbeit, und das dem Kind auch vorzuleben. Wirklich blöde ist es nur, wenn ein Elternteil zuhause bleiben will, sich das aber finanziell nicht ausgeht.

    In diesem Sinne: Guten Neu-Start in das Erwerbsleben und eurer Tochter einen wunderbaren Anfang in der Kita!

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  8. Liebe Ina,
    mir ging es ganz ähnlich. Da ich in Luxemburg arbeite, habe ich mit 9 Monaten die Elternzeit komplett ausgeschöpft. Mit Resturlaub waren es 10 Monate nach der Geburt, als ich wieder arbeiten musste. Ich hab mich auch sehr darauf gefreut, wieder Arbeiten zu gehen. Allerdings auch, dieses komische Gefühl meinen kleinen Mann schon so früh in die Krippe zu geben.
    Jetzt, ein halbes Jahr später, kann ich sagen, dass alles super geklappt hat. Er hat sich ziemlich schnell an das Krippenleben gewöhnt und hat viel von den älteren Kindern gelernt. Er war bis zu den Ferien der Jüngste in der Gruppe von bis zu 10 Kindern. Am Wochenende ist es ihm zuhause oft langweilig, weil im der ganze Trubel aus der Krippe fehlt. Deshalb sind wir auch dann viel Draußen unterwegs.
    Versuch dir das nicht schlecht reden zu lassen, es hat auch viele Vorteile - für dich als Frau und Mutter und auch für das Kind!
    In vielen unserer Nachbarländer ist es übrigens 'ganz normal', die Kinder so früh in eine Fremdbetreuung zu geben.
    Ich wünsche euch viel Spaß für diesen neuen Lebensabschnitt.
    LG
    Janine

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  9. Dass muss doch jeder selbst wissen und wenn finanzielle Gründe eine Rolle spielen, sollte man erst recht Verständnis dafür haben. Meine Mutter ging die ganze Zeit arbeiten damals, weil es nicht anders ging und es hat mir und meinem Bruder auch nicht geschadet. Auch ist es ja nicht immer so einfach, dass man den Anschluss an die Berufswelt noch hält, wenn man erst 4-5 Jahre später wieder im Job einsteigt. Ich kann Deine Gedanken jedenfalls voll nachvollziehen. Liebe Grüße

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